Angebotsreformen sollen Überkapazitäten eindämmen. Chancen für Zement, Kupfer, Kobalt und Glasfaser bis 2026

Angebotsreformen sollen Überkapazitäten eindämmen. Chancen für Zement, Kupfer, Kobalt und Glasfaser bis 2026

 Clarence Li, Senior Portfolio Analyst bei T. Rowe Price
Clarence Li

Kommentar von Clarence Li, Senior Portfolio Analyst bei T. Rowe Price

China wird häufig des Exportdumpings beschuldigt. Tatsächlich resultieren die extrem niedrigen Preise vieler chinesischer Produkte auf den Weltmärkten jedoch weniger aus gezielten Exportstrategien, sondern aus einer inneren Dynamik: der sogenannten „Involution“ (neijuan) einem übermäßigen Binnenwettbewerb, bei dem steigende Anstrengungen mit sinkenden Erträgen einhergehen.

Unternehmen sehen sich aufgrund erheblicher Überkapazitäten gezwungen, ihre Preise zu senken, um Produktionsvolumen zu sichern. Das wiederum zwingt Wettbewerber zum selben Schritt, ein Teufelskreis, der Gewinne aushöhlt und zu einer wachsenden Zahl verlustbringender Betriebe führt.

Besonders ausgeprägt ist dieses Muster in Sektoren wie Elektrofahrzeuge (EVs), Solarmodule und Stahl. Die chinesische Regierung hat die Risiken dieser Entwicklung erkannt – nicht zuletzt wegen der wachsenden Deflationsgefahren – und reagiert mit einer umfassenden Gegenstrategie.

Was steckt hinter Chinas Anti-Involutionspolitik?

Die im Juli gestartete Kampagne der Zentralkommission für Finanz- und Wirtschaftsfragen richtet sich an eine Vielzahl von Branchen – sowohl klassische Industrien wie Stahl, Baustoffe, Automobil und Petrochemie als auch an Bereiche der „New Economy“ wie EVs, Lithium-Ionen-Batterien, Polysilizium und Solarenergie.

Ziel ist es, den übermäßigen Wettbewerb einzudämmen und ein nachhaltigeres, qualitativ hochwertigeres Wachstum zu fördern.

In den neuen Zweijahresplänen (2025–2026) wurden für zehn Schlüsselindustrien niedrigere Produktionsziele festgelegt als für 2024. Das signalisiert eine vorsichtigere Haltung gegenüber weiterer Expansion. Die Umsetzung erfolgt dezentral – auf Provinz- und Stadtebene, in Abstimmung zwischen Zentralregierung, lokalen Behörden, staatlichen und privaten Unternehmen sowie Industrieverbänden. Entscheidend für den Erfolg ist die Unterstützung einflussreicher Regionen wie Guangdong und Shanghai.

Konkrete Maßnahmen reichen von Produktionsdrosselungen über Kapazitätsquoten bis zu Preisüberwachung

  • Stahlwerke in Tangshan (Hebei) müssen ihre Produktion um etwa 30 % reduzieren.
  • Kohlebergwerke sollen jährliche Kapazitätsobergrenzen strikt einhalten.
  • In der Solarbranche haben sich die zehn größten Solarglashersteller auf Kürzungen verständigt; Polysilizium-Produzenten bauen veraltete Kapazitäten ab.
  • Bei Elektrofahrzeugen kontrolliert die Zentralregierung die Preissetzung, um Marktverzerrungen zu verhindern.

Wird die Anti-Involutionskampagne 2025 greifen

Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert eine Balance aus marktorientierter Konsolidierung, Strukturreformen und nachfrageseitiger Unterstützung. Anders als 2015 konzentrieren sich die heutigen Überkapazitäten vor allem auf private Unternehmen der New Economy. Die Regierung kann daher weniger auf staatlich angeordnete Kürzungen setzen, sondern muss über Anreize und Überzeugung wirken. Das macht den Prozess komplexer und langsamer.

Privatunternehmen dominieren Chinas New Economy Marktanteil privater Unternehmen
Privatunternehmen dominieren Chinas New Economy Marktanteil privater Unternehmen

Da Reformen auf der Angebotsseite oft mit Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten einhergehen, sind sie politisch heikel. Zu harte Eingriffe ohne Ausgleich auf der Nachfrageseite könnten das Vertrauen der Unternehmen belasten und das Deflationsrisiko erhöhen.

Daher ist eine schrittweise Umsetzung wahrscheinlich. Großflächige makroökonomische Impulse wie 2015 sind nicht zu erwarten. Angesichts des derzeit schwachen Wachstums und der Belastungen aus dem Immobiliensektor dürften weitere fiskalische Stimuli beim Vierten Plenum (20.–23. Oktober) zwar beschlossen, aber moderat ausfallen.

Profiteure der Angebotsreformen

Einige Branchen könnten dennoch profitieren, wenn es gelingt, Preise und Margen zu stabilisieren. Dazu zählen: Zement, Kupfer, Kobalt (zentral für wiederaufladbare Batterien) und Glasfaser (wichtig für EVs, Windkraftanlagen und Leiterplatten). Zudem ergeben sich im Dienstleistungssektor Chancen, etwa im Expressversand, nachdem die chinesische Postbehörde in mehreren Regionen Preisuntergrenzen eingeführt hat.

Chinas Anti-Involutionskampagne markiert einen neuen Versuch, strukturelle Überkapazitäten zu reduzieren und die Wettbewerbsbedingungen zu stabilisieren.

Im Zentrum steht 2025 ein stärker marktorientierter Ansatz, der Produktionsdisziplin, Konsolidierung und Effizienz fördern soll. Kurzfristig wird die Umsetzung vorsichtig bleiben – angesichts schwacher Konjunktur und hoher Unsicherheiten im Immobiliensektor. Langfristig jedoch könnte eine erfolgreiche Angebotsreform Deflationsdruck abbauen, Kapitalrenditen steigern und den Übergang zu einer effizienteren, unternehmensorientierten Wirtschaftsstruktur beschleunigen. Für Investoren eröffnet dies die Aussicht auf eine neue Balance zwischen Angebot, Nachfrage und Profitabilität in ausgewählten chinesischen Industrien ab 2026.

Weiterführende Informationen

Chinesische Aktien: Aluminium, LCD-Panels, Glasfaser und Windkraft erleben eine verbesserte Angebots-Nachfrage-Dynamik Quelle: e-fundresearch.com

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