Hamburg testet die Zukunft des Speicherbetriebs. suena energy und HOCHBAHN starten Pilotprojekt mit Signalwirkung

Hamburg testet die Zukunft des Speicherbetriebs. suena energy und HOCHBAHN starten Pilotprojekt mit Signalwirkung

Lennard Wilkening
Lennard Wilkening

„Wir wollten zeigen, dass Batteriespeicher mehr können, als nur Strom puffern“, sagt Lennard Wilkening, CEO und Mitgründer von suena energy.

Gemeinsam mit der Hamburger Hochbahn AG hat der Energievermarkter ein Pilotprojekt gestartet, das die Grenzen herkömmlicher Speicherbetriebsmodelle sprengt und zeigen soll, wie sich wirtschaftliche Effizienz und Netzstabilität in Einklang bringen lassen. Im Mittelpunkt steht ein 4-MW-/4,6-MWh-Batteriespeicher auf dem Busbetriebshof Alsterdorf.

suenas KI-basierter Energy Trading Autopilot

Statt sich auf eine einzige Betriebsart zu beschränken, wechselt das System saisonal zwischen zwei Welten: Im Sommer, von März bis August, steuert suenas KI-basierter Energy Trading Autopilot den Speicher und vermarktet seine Energie auf dem Day-Ahead- und Intraday-Markt. In dieser Zeit agiert der Speicher als marktorientiertes Handelsobjekt, wirtschaftlich optimiert und datengetrieben.

Gemeinsam mit der Hamburger Hochbahn AG hat der Energievermarkter ein Pilotprojekt gestartet, das die Grenzen herkömmlicher Speicherbetriebsmodelle

Mit dem Herbst jedoch verändert sich die Rolle des Speichers grundlegend. Von September bis Februar nutzt die HOCHBAHN die Anlage intern zur Lastspitzenkappung. Damit trägt der Speicher zur Reduzierung der eigenen Energiekosten bei – und stabilisiert gleichzeitig das interne Netz des Busbetriebshofs.

Diese Kombination aus Direktvermarktung und Eigenverbrauch ist für uns ein echter Durchbruch“, erklärt Wilkening. „Sie zeigt, dass sich Speicher flexibel und intelligent in verschiedenen Energiemärkten bewegen können, ohne Effizienzverluste.

Technische Pionierarbeit hinter dem Zaun

Was simpel klingt, ist in der Praxis ein technisches und regulatorisches Kunststück. Der Speicher steht physisch hinter dem Hauptzähler des Betriebshofs („Behind-the-Meter“) also im internen Netz der HOCHBAHN. Doch für den Marktbetrieb wurde erstmals eine temporäre Front-of-the-Meter-Anbindung geschaffen, die den Speicher zeitweise bilanziell vom Betriebshof trennt.

Technische Pionierarbeit hinter dem Zaun

In enger Abstimmung mit den Hamburger Energienetzen wurde dieser Wechsel zwischen interner und externer Nutzung möglich gemacht – über ein Modell, das in der Branche bislang kaum erprobt ist: die sogenannte kaufmännisch-bilanzielle Weitergabe.

„Wir betreten hier regulatorisches Neuland“, sagt Ramy Soliman, Projektleiter bei der HOCHBAHN. „Doch genau diese Erfahrungen brauchen wir, wenn wir künftig größere Betriebshöfe elektrifizieren und Speicher intelligent ins Gesamtsystem integrieren wollen.“

Labor der Energiewende

Das Projekt gilt als Blaupause für urbane Speicherlösungen – gerade in Städten, wo Flächen und Netzkapazitäten begrenzt sind. Durch den saisonalen Wechsel zwischen Marktbetrieb und Eigenverbrauch werden Ressourcen doppelt genutzt, ohne dass zusätzliche Infrastruktur nötig ist.

Die Energiewende in der Stadt braucht kreative Betriebsmodelle“, betont Wilkening. „Unsere Technologie zeigt, dass es möglich ist, Speicher nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch optimal zu nutzen.

Die Erkenntnisse aus dem Projekt fließen zudem in das KoLa-Forschungsvorhaben ein, an dem die HOCHBAHN beteiligt ist. Dort geht es um Zukunftstechnologien wie Vehicle-to-Grid und bidirektionale Netzanbindung – Themen, die entscheidend sein werden, wenn Busflotten und Ladeinfrastruktur künftig Teil des Energiesystems werden.

Ein Modell für die Zukunft

Das Ergebnis der Kooperation: ein praxisnaher Weg, um technische und regulatorische Hürden beim hybriden Speicherbetrieb zu überwinden – und ein Beispiel dafür, wie Stadtwerke, Energie-Start-ups und Netzbetreiber gemeinsam neue Lösungen schaffen können. Mit Blick auf die Zukunft ist für beide Partner klar: Das Projekt in Alsterdorf ist nur der Anfang.

Über suena energy

suena energy ist ein Pionier der algorithmischen Energievermarktung. Das Hamburger Unternehmen setzt mit seinem Energy Trading Autopilot auf künstliche Intelligenz, um Batteriespeicher und erneuerbare Energien automatisiert auf den Strommärkten zu handeln. Ziel ist eine höhere Wirtschaftlichkeit, längere Batterielebensdauer und ein Beitrag zur Netzstabilität.

Über die Hamburger Hochbahn AG

Die Hamburger Hochbahn AG bewegt täglich rund 1,3 Millionen Fahrgäste und zählt zu den Vorreitern nachhaltiger Mobilität. Mit emissionsfreien Bussen, digitalen Innovationen und Projekten wie der neuen U5 setzt das Unternehmen konsequent auf Klimaschutz und intelligente Energieintegration.

Post navigation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert